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Die Ursprünge der Landwirtschaft –
Opiate aus Brot und Milch

von Greg Wadley & Angus Martin, Department of Zoology, University of Melbourne,
Veröffentlicht im Australian Biologist 6:96 – 105, Juni 1993 
 (Evolution, Steinzeitkost)

Was würde wohl an der Spitze einer Liste der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit stehen? Während in unserer eigenen Sichtweise sicherlich unsere Leistungen in Technik, Kunst, Medizin, Raumfahrt und ähnlichem hervortreten würden, würde in einer leidenschaftslosen Beurteilung möglicherweise die Landwirtschaft, die Agrarrevolution, alle anderen Konkurrenten vom ersten Platz verdrängen. Die meisten anderen Errungenschaften der Menschheit sind aus dieser gefolgt. Alle Menschen der Erde werden (heutzutage) fast ausnahmslos durch die Landwirtschaft versorgt.  Und doch begann die Landwirtschaft, der Ackerbau, erst vor ein paar tausend Jahren,
(sozusagen erst in den letzten Sekunden der Geschichte) lange Zeit nach dem Auftreten des anatomisch modernen Menschen (vor drei Millionen Jahren).

     (Die Abkehr vom Jägerdasein und der Beginn des Ackerbaues begann in Mesopotamien und Ägypten erst vor etwa 10.000 Jahren, in Europa noch viel später vor 3 bis 5 tausend Jahren, in Großbritannien und weiter nördlich erst vor 2.000 Jahren, wie wir bei Julius Cäsar lesen. Wir sind daran noch nicht angepasst, denn für eine genetische Anpassung an die Stärkemehle des Ackerbaues und das Übermaß an Kohlenhydraten in der Ernährung, würde der Mensch etwa 40.000 Jahre benötigen).

Angesichts der Geschwindigkeit und Reichweite dieser Agrar-Revolution  ist es ziemlich ungewöhnlich, dass kein allgemein akzeptiertes Erklärungsmodell existiert, welches dem Ursprung der Landwirtschaft Rechnung trägt. Zusätzlich sind in den letzten Jahren eine zunehmende Zahl von Argumenten aufgetaucht, dass die Landwirtschaft, weit davon entfernt, ein natürlicher und aufwärtsgerichteter Schritt zu sein, in Wirklichkeit allgemein zu einer niedrigeren Lebensqualität führte (Dr. Wolfgang Lutz). Jäger und Sammler arbeiten typischerweise weniger für die selbe Menge an Nahrung, sind gesünder und Hungersnöten weniger ausgesetzt, als einfache Bauern (Lee & De Vore 1968, Cohen 1977, 1989). Eine biologische Einschätzung des so genannten Rätsels der Verbreitung der Landwirtschaft würde es in einfachen Worten von Verhaltensforschern folgendermaßen ausdrücken: Warum wurde dieses Verhalten (Ackerbau) verstärkt (und folglich ausgewählt), wenn es keine Gesundheits- oder Anpassungsvorteile bot, welche die Vorteile von Jäger und Sammler- oder Nahrungssucher-Wirtschaften übertrafen? (Ein Aspekt ist: Durch die Ausrottung des Tierbestandes vor etwa 11.ooo Jahren  durch die Steinzeit-Großwild-Jäger trat Hunger und Mangel auf. Getreide plus Milch gibt Opiate und Sucht).

Zum Ursprung der Landwirtschaft. ’Nur wenige Themen der Vorgeschichte’, bemerkte Hayden (1990) ’haben so viele Diskussionen hervorgerufen und endeten mit so wenigen zufrieden stellenden Antworten, wie der Versuch, zu erklären, warum Jäger und Sammler damit begannen, Pflanzen zu kultivieren und Tiere zu halten. Klimatische Veränderungen, Bevölkerungsdruck, Sesshaftwerdung, Konzentration von Ressourcen durch Verwüstung, weibliche Hormone, Landbesitz, Genies, Rituale, geplante Konflikte, zufällige genetische Kombinationen, natürliche Selektion, breit gefächerte Anpassung und die Zuflucht zu multikausalen Erklärungen wurden alle angeboten, um die Kultivierung zu erklären. Alle beinhalten größere Schwachpunkte... die Daten harmonieren mit keinem dieser Modelle gut.’
Die Entdeckungen potentiell psychoaktiver Substanzen in bestimmten landwirtschaftlichen Produkten – Getreide und Milch – zeigen nun einen weiteren Grund der Übernahme des Ackerbaus und der Verhaltensänderungen (’Zivilisation‘), welche ihr folgten. In diesem Artikel überprüfen wir die Beweise für die drogenähnlichen Eigenschaften dieser Nahrungsmittel und zeigen dann, wie sie helfen können, das eben beschriebene biologische Rätsel zu lösen.
 

Das Auftauchen des Ackerbaus und der Zivilisation im Neolithikum.

Der Übergang zum Ackerbau "war erst vor Kurzem"!  Vor ca. 10 000 Jahren begannen Gruppen von Menschen in verschiedenen Gebieten der Welt die suchende Lebensweise als Jäger und Sammler aufzugeben, die seit Millionen von Jahren erfolgreich, universell und weitgehend unverändert war (Lee & De Vore 1968). Sie fingen an zu horten, sie kultivierten Land mit Getreide-Gräsern (Getreidekörner waren leicht zu lagern und haltbar), siedelten sich dort herum an und züchteten Tiere wegen ihrem Fleisch, ihrer Arbeitskraft, ihrer Haut und anderen Materialien sowie ihrer Milch.

Die Landbewirtschaftung, welche vorwiegend auf Weizen und Gerste basierte, tauchte zuerst im Mittleren Osten auf und breitete sich schnell über Westasien, Ägypten und Europa aus. Die frühesten Zivilisationen verließen sich hauptsächlich auf Getreideanbau (Pflüge waren erst in der Eisenzeit möglich). Die Kultivierung von Obstbäumen begann 3 000 Jahre später, wiederum im Mittleren Osten, Gemüse und andere Feldfrüchte folgten (Zohari 1986). Die Kultivierung von Reis begann in Asien vor ca. 7 000 Jahren (Stark 1986). Milchwirtschaft (Kühe) begann erst vor etwa 6.000 Jahren.
    Heutzutage stammen zwei Drittel der Protein- und Kalorienzufuhr der meisten Menschen aus Getreide. (Im Westen verminderte sich im 20. Jhdt. der Konsum von Getreide leicht zugunsten von Fleisch, Zucker, Fetten, usw.) Der Anteil der Getreidesorten an der momentanen Weltproduktion lautet für Weizen 28%, Mais 27%, Reis 25%, Gerste 10% und andere Getreide 10% (Pederson et al. 1989).

Die Änderung der Ernährung als Folge der Landwirtschaft

Die moderne menschliche Ernährung unterscheidet sich sehr von der Ernährung engverwandter Primaten, und ohne Zweifel auch von der früher Hominiden (Gordon 1987). Obwohl es bezüglich der Ernährungsweise der Menschen vor der Entwicklung der Landwirtschaft Kontroversen gibt, enthielt die Nahrungspalette (der Hominiden) sicher nicht Getreide und Milch in größeren Mengen. Die Vorratsgruben und Verarbeitungswerkzeuge, die für einen signifikanten Konsum von Getreide notwendig sind, tauchten nicht vor dem Neolithikum auf (Washburn & Lancaster 1968). Milchprodukte waren vor der Zähmung von Tieren (vor 6.000 Jahren) nicht in großen Mengen erhältlich...
 

           Einschub: Neuere Literatur:

Low-Carb, Paleo, Steinzeit-Nahrung: http://josef-stocker.de/paleo_steinzeit_nahrung.pdf

Osborne, Peter "Meide Getreide! Raus aus der Schmerzfalle Gluten…" 384 Seiten; 2016; ISBN: 978-3833855276  Functional Medicine https://www.glutenfreesociety.org/  
No Grain, No Pain: A 30-Day Diet for Eliminating the Root Cause of Chronic Pain (Englisch) 2016; 368 Seiten; Touchstone: 2016; ISBN-13: 978-1501121685

Eglin M, Schaub S „Die Befreiung aus den Krankheitsfallen. Wie wir mit der modernen Ernährung in Krankheitsfallen tappen - und wie wir uns mit einem ganzheitlichen Ernährungskonzept daraus befreien" 322 Seiten (185 x 270 mm); Sept. 2015; ISBN: 978-3907547144; Bestellen bei: www.schaub-institut.ch/   (Beachte: "Die Weizenfalle")

Myers, Amy "Die Autoimmun-Lösung: Ein gesundes Immunsystem beginnt im Darm" 448 Seiten; Irisiana: April 2016; ISBN: 978-3424153101
"The Autoimmune Solution: Prevent and Reverse the Full Spectrum of Inflammatory Symptoms and Diseases" (Englisch) 390 Seiten; 2015

 Schaller, Heidrun "Die Paleo-Revolution: Gesund durch Ernährung im Einklang mit unserem genetischen Erbe" 320 Seiten; books4success: 2015; ISBN: 978-3864702433

Venesson, Julien "Wie der Weizen uns vergiftet" 202 Seiten; Riva: 2015; ISBN: 978-3868834772 (Frz. "Gluten. Comment le blé moderne nous intoxique" )
Venesson, Julien " Paléo Nutrition" (Französisch) 304 Seiten; 2014; ISBN: 978-2365490832

Perlmutter, David "Wie Weizen schleichend Ihr Gehirn zerstört" 349 Seiten; Mosaik: 2014; ISBN: 978-3-442-392575 "Grain Brain: The Surprising Truth about Wheat" drPerlmutter.com 

Davis, William "Weizenwampe: Warum Weizen dick und krank macht" 400 Seiten; Goldmann Verlag: 2013; ISBN: 978-3442173587 (Meide alle Getreide, Weizen)  Davis, William "Wheat Belly: Lose the Wheat, Lose the Weight, and Find Your Path Back to Health" 292 Seiten; Rodale Press: 2011; ISBN: 978-1609611545

Ballantyne, Sarah "Die Paläo-Therapie: Stoppen Sie Autoimmunerkrankungen mit der richtigen Ernährung und werden Sie wieder gesund" 432 Seiten; Riva: 14. Dezember 2015; ISBN: 978-3868836653

Wührer, Klaus "Prophylaxe und Therapie durch Artgerechte Ernährung: ... oder wollen Sie lieber mit voller Stärke ins Gras beißen?" 405 + 64 Seiten; gebunden, Caveman Verlag: 2015; ISBN: 978-3981620009 (ohne Stärke aus dem Ackerbau, das ist der Weg.)
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    Das Aufkommen der Zivilisation

Innerhalb einiger tausend Jahre nach der Übernahme des Getreideanbaus begann die althergebrachte Art der sozialen Organisation der (nomadisierenden) Jäger und Sammler zu verfallen. Große hierarchisch organisierte Gesellschaften erschienen, die Dörfer und dann Städte hervorbrachten. Mit dem Auftauchen der Zivilisationen und des Staates entstanden sozioökonomische Klassen, Arbeitsteilung, Regierungen und Armeen.
Die Größe der Bevölkerungen, welche als koordinierte Einheiten lebten, stieg weitaus schneller, als vor dem Auftauchen der Landwirtschaft. Während Jäger und Sammler in egalitären, unabhängigen Gruppen von ca. 20 eng verwandten Personen lebten und bestenfalls eine Organisation auf Stammes-Niveau besaßen, hatten frühe landwirtschaftliche Dörfer 50 – 200 Einwohner und frühe Städte 10.000 und mehr. Die Menschen ’mußten lernen, tief verwurzelte Triebe zu zügeln, die zu anschwellenden Konflikten und Gewalt in großen Gruppen führten’ (Pfeiffer 1977:438).
      Ackerbau und Zivilisation bedeuteten das Ende der Nahrungssuche, einer Methode des Lebensunterhaltes mit kurzfristigen Zielen und Belohnungen, und (für die meisten) den Anfang regelmäßiger, mühsamer Arbeit, welche sich nach zukünftigen Löhnen und den Wünschen von Höherstehenden richtete. ’Mit dem Aufkommen großer Lebensgemeinschaften bewirtschaftete die Familien das Land nicht mehr nur für sich selbst und ihre unmittelbaren Bedürfnisse, sondern für Fremde und für die Zukunft. Sie arbeiteten den ganzen Tag anstatt ein paar Stunden am Tag, wie es die Jäger und Sammler getan hatten. Es gab Zeitpläne, Zuteilungen, Aufseher und Strafen für Nachlässigkeit‘ (Pfeiffer 1977:21).
(Anmerkung nach W. Lutz: Kulturen wurden erst möglich durch Ackerbau und Bevorratung, aber auf Kosten der Gesundheit. Der Kohlenhydratabusus führt zur Verschiebung des Hormongleichgewichtes und zur Schädigung der endokrinen Drüsen.)
 

Erklärungen für die Ursprünge von Landwirtschaft und Zivilisation

Das Phänomen menschlicher Landwirtschaft und Zivilisation ist aus der Sicht der Verhaltensforschung gesehen interessant, weil (1) im Grunde genommen keine andere Art so lebt und (2) die Menschheit bis vor kurzem auch nicht auf diese Weise lebte. Warum wurde diese Lebensweise übernommen und warum wurde sie innerhalb der menschlichen Art dominant?

Schwierigkeiten bei der Erklärung des Aufkommens der Landwirtschaft

Bis vor wenigen Jahrzehnten wurde der Übergang zum Ackerbau als von Natur aus fortschrittlich gesehen: die Menschen lernten, dass das Pflanzen von Samen das Wachstum von Pflanzen zur Folge hatte, und diese neue verbesserte Nahrungsquelle führte zu größerer Bevölkerung, sesshaftem Bauern- und Stadtleben, größerer Freizeit und auf diese Weise zu Spezialisierung, Schriftgebrauch, technischem Fortschritt und Zivilisation. Heute ist klar, dass der Ackerbau übernommen wurde, trotz bestimmter Nachteile dieser Lebensweise (z.B. Flannery 1973, Henry 1989). Es gibt solide Literatur (z.B. Reed 1977) nicht nur über die Frage, wie die Landwirtschaft begonnen hatte, sondern auch warum. Paläopathologische und vergleichende Studien zeigen, dass sich die Gesundheit von Bevölkerungen, die den Getreideanbau übernahmen, verschlechterte (Lutz), und erst in jüngster Zeit wieder auf das Niveau zurückkehrte, wie es vor der Einführung der Landwirtschaft vorherrschte. Dies ist teilweise der Ausbreitung von Infektionen in bevölkerungsreichen Städten zuzuschreiben, größtenteils ist es aber die Folge der verminderten Nahrungsqualität, die eine Begleiterscheinung intensiven Getreideanbaus war (Cohen 1989; Nicolai Worm 2004). Menschen in vielen Teilen der Erde blieben bis vor kurzem Jäger und Sammler. Obwohl sie sich der Existenz und der Methoden des Ackerbaus ziemlich bewusst waren, lehnten sie es ab, ihn zu übernehmen (Lee & De Vore 1968, Harris 1977). Cohen (1977:141) fasste das Problem zusammen, indem er fragte: ’Wenn Landwirtschaft weder eine bessere Ernährung noch eine bessere Verfügbarkeit der Nahrungsmittel, noch eine Erleichterung mit sich brachte, sondern im Gegenteil eine schlechtere Ernährung, geringere Verlässlichkeit und höheren Arbeitsaufwand, warum geht dann jeder auf Ackerbau über?‘
Diesbezüglich wurden viele Erklärungen angeboten, die sich in der Regel auf einen speziellen Faktor konzentrierten, der die Übernahme des Ackerbaus erzwang, wie etwa Umwelt- und Bevölkerungsdruck (für Durchsichten siehe Rindos 1984, Pryor 1986, Redding 1988, Blumler & Byrne 1991). Jedes dieser Modelle wurde ausgiebig kritisiert, und derzeit gibt es kein allgemein akzeptiertes Erklärungsmodell für den Ursprung der Landwirtschaft.

Schwierigkeiten bei der Erklärung der Zivilisation

Ein ähnliches Problem ergibt sich bezüglich des auf der ganzen Welt stattfindenden Entstehens von Städten nach der Einführung der Landwirtschaft, und auch hier ist der Erklärung viel Literatur gewidmet (z.B. Claessen & Skalnik 1978). Die bedeutenden Verhaltensänderungen, die mit der Übernahme der zivilisierten Lebensweise einhergingen, warten auf eine Erklärung. Bledsoe (1987:136) fasste die Situation folgendermaßen zusammen:
’Es gab und gibt keine Übereinstimmung bezüglich der Art und der Bedeutsamkeit der Entstehung der Zivilisation. Die durch dieses Problem aufgeworfenen Fragen sind einfach aber fundamental. Wie kam es zur Zivilisation? Welcher Geist trieb die Menschheit an, auf die Unabhängigkeit, die familiären Beziehungen und die Beständigkeit des Stammeslebens zugunsten des viel größeren und unpersönlicheren Komplexes, den wir Staat nennen, zu verzichten? Welche Kräfte verschmolzen miteinander, um die Mutation einzuleiten, die Nomadengesellschaften langsam in bevölkerungsreiche Städte transformierte, die ethnische Vermischungen, Gesellschaftsschichten, verschiedenartigste Wirtschaftssysteme und einzigartige Formen der Kultur aufwiesen? War der Beginn der Zivilisation das unvermeidliche Ergebnis der sozialen Evolution und der natürlichen Gesetze des Fortschritts, oder war der Mensch der Schmied seines eigenen Schicksals? Waren technische Innovationen die motivierende Kraft, oder war es ein ungreifbarer Faktor, wie z.B. Religion oder intellektueller Fortschritt?
In großer Ähnlichkeit hatte jede aufkommende Zivilisation Getreideanbau als Existenzgrundlage, und wo Getreide kultiviert wurde, tauchte eine Zivilisation auf. Manche Hypothesen haben zwischen diesen beiden Sachverhalten Zusammenhänge hergestellt. Wittfogels ’Theorie der Hydraulik‘ (hydraulic theorie, 1957) postulierte beispielsweise, dass Bewässerung für den Ackerbau, und der Staat wiederum zur Organisation der Bewässerung notwendig war. Aber nicht jede Zivilisation nutzte Bewässerung, und andere mögliche Faktoren (z.B. Vorkommen von Flusstälern, Kriegsführung, Handel, Technik, Religion sowie Umwelt- und Bevölkerungsdruck) führten nicht zu einem allgemein akzeptierten Erklärungsmodell.

Pharmakologische Eigenschaften von Getreide und Milch

Jüngste Forschungen in der Nahrungsmittelpharmakologie führen zu einer neuen Sichtweise dieser Probleme.

Exorphine: opiatähnliche Substanzen in Nahrungsmitteln (in Getreide plus Milch)

Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Ernährung und Geisteskrankheiten veranlassten verschiedene Forscher in den späten 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, die Existenz von drogenähnlichen Substanzen in einigen alltäglichen Nahrungsmitteln zu untersuchen.
Dohan (1966, 1984) und Dohan et al. (1973, 1983) fanden heraus, dass die Symptome von Schizophrenie ein wenig nachließen, wenn die Patienten eine Diät ohne Getreide und Milch erhielten. Des weiteren fanden sie heraus, dass Menschen mit Zöliakie – Personen, die aufgrund erhöhter Darmpermeabilität kein Weizengluten vertragen – mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch an Schizophrenie leiden. Untersuchungen an einigen Bevölkerungsgruppen des Pazifiks zeigten, dass Schizophrenie in diesen Gruppen erst dann vorherrschte, nachdem sie ’teilweise den westlichen Lebensstil angenommen hatten und Weizen, Gerstenbier und Reis konsumierten‘ (Dohan 1984).
Forschergruppen unter Zioudrou (1979) und Brantl (1979) fanden sowohl opiatähnliche Aktivität bei Weizen, Mais und Gerste (Exorphine), sowie bei Kuh- und Muttermilch (Kasomorphin), als auch stimulierende Aktivität bei diesen Proteinen und bei Hafer, Roggen und Soja. Das Exorphin des Getreides ist viel stärker als das Kasomorphin der Kuh, welches wiederum stärker ist als menschliches Kasomorphin. Mycroft et al. (1982, 1987) fanden in Weizen und Milch ein Analogon der Substanz MIF-1, einem natürlich auftretenden dopaminergen Peptid. Es taucht in keinem anderen exogenen Protein auf. (In den folgenden Abschnitten benutzen wir den Begriff Exorphin für Exorphine, Kasomorphin und MIF-1-Analogon. Obwohl opiatähnliche und dopaminerge Substanzen auf verschiedene Weise wirken, sind sie beide ’belohnend‘ und somit für unsere Zwecke mehr oder weniger gleichbedeutend.)

       Seitdem haben Forscher die Wirksamkeit von Exorphinen gemessen und konnten nachweisen, dass sie mit Morphin und Enkephalin vergleichbar sind (Heubner et al. 1984), sie haben ihre Aminosäuresequenzen bestimmt (Fukudome & Yoshikawa 1992) und nachgewiesen, dass sie vom Darm aufgenommen werden (Svedburg et al. 1985) und fähig sind, Wirkungen wie Schmerzstillung und Angstreduktion hervorzurufen, die normalerweise bei vom Mohn abgeleiteten opiatähnlichen Substanzen auftreten (Greksch et al. 1981, Panksepp et al. 1984). Mycroft et al. schätzten, dass bei einem normalen täglichen Verzehr von Getreide und Milch 150 mg des MIF-1-Analogons produziert werden und merkten an, dass solche Mengen oral aktiv sind und schon die Hälfte dieser Menge ’Stimmungsschwankungen bei klinisch depressiven Versuchspersonen verursachte.’ (Mycroft et al. 1982:895) (Eine ausführliche Übersicht findet sich bei Gardner 1985 und Paroli 1988.)
Die meisten gebräuchlichen, abhängig machenden Drogen sind entweder opiatähnlich (z.B. Heroin und Morphin) oder dopaminerg (z.B. Kokain und Amphetamin) und wirken durch die Aktivierung von Belohnungszentren im Gehirn. Folglich sollten wir fragen, ob diese Befunde bedeuten, dass Getreide und Milch auf chemische Weise belohnend wirken. Sind Menschen in irgendeiner Weise ’süchtig‘ nach diesen Lebensmitteln?

http://www.wai.biomedizin-online.info/     www.waisays.com englisch
 

Weizen- und Milchprodukte enthalten Peptide mit opioider Wirkung, welche die Endorphinrezeptoren im Gehirn beeinflussen. ]

Schwierigkeiten bei der Interpretation dieser Erkenntnisse

Wir glauben, dass es keine natürliche Funktion für die Aufnahme von Exorphinen bei Erwachsenen geben kann. Es mag sein, dass der Wunsch, eine natürliche Funktion zu finden, die Interpretation behindert hat (genauso wie das vorwiegende Ausrichten der Aufmerksamkeit auf Milch, wo eine natürliche Funktion eher plausibel wäre). Es ist unwahrscheinlich, dass Menschen an eine große Aufnahme von Getreideexorphinen angepasst sind, da die moderne Vorherrschaft von Getreide in der Ernährung einfach zu neu ist. Wenn Exorphine in Kuhmilch vorkommen, so mag das eine natürliche Funktion für Kälber haben, ähnlich, wie Exorphine in Muttermilch eine natürliche Funktion für Säuglinge haben mögen. Doch egal, ob es so ist oder nicht, erwachsene Menschen trinken normalerweise keine Milch welcher Art auch immer, so dass eine natürliche Funktion bei ihnen nicht denkbar ist.
Wir sympathisieren deshalb mit der Interpretation der pathologischen Wirkung der Exorphine, in der die in Getreide und Milch gefundenen Substanzen als moderne diätetische Anormalitäten angesehen werden, die Schizophrenie, Zöliakie oder andere Krankheiten verursachen können. Aber dies sind ernste Krankheiten, welche bei einer Minderheit auftreten. Können Exorphine im großen Maßstab eine Wirkung auf die Menschheit haben?
 

Andere Hinweise auf drogenähnliche Wirkungen dieser Nahrungsmittel

Die Erforschung der Nahrungsmittelallergien hat gezeigt, dass normale Mengen einiger Nahrungsmittel pharmakologische Wirkungen haben können, verhaltensrelevante Wirkungen inbegriffen. Viele Menschen entwickeln Intoleranzen gegenüber einzelnen Nahrungsmitteln. Verschiedene Nahrungsmittel sind mit einbegriffen, und eine Vielzahl von Symptomen wird hervorgerufen. (Der Begriff ’Intoleranz‘ wird im Gegensatz zu Allergie oft verwendet, da in vielen Fällen das Immunsystem nicht mit einbezogen zu sein scheint (Egger 1988:159). Manche Symptome der Intoleranz wie Angstzustände, Depression, Epilepsie, Hyperaktivität und schizophrene Phasen haben mit der Funktion des Gehirns zu tun (Egger 1988, Scadding & Brostoff 1988).)
Radcliff (1982, zitiert in 1987:808) listete die verursachenden Nahrungsmittel nach abnehmender Häufigkeit der Beschwerden auf, die bei einem Experiment mit 50 Personen auftraten: Weizen (mehr als 70% der Versuchspersonen reagierten in irgendeiner Art und Weise darauf), Milch (60%), Ei (35%), Mais, Käse, Kartoffeln, Kaffee, Reis, Hefe, Schokolade, Tee, Zitrusfrüchte, Hafer, Schweinefleisch, Scholle, Zuckerrohr und Rindfleisch (10%). Das ist praktisch eine Auflistung derjenigen Nahrungsmittel, welche nach der Einführung der Landwirtschaft allgemein in die Ernährung aufgenommen wurden, in der Reihenfolge der Häufigkeit ihres Vorkommens. Die Symptome, die sich gewöhnlich durch Behandlung mindern ließen, waren Stimmungsschwankungen (>50%), gefolgt von Kopfschmerzen, Skelettmuskel- und Atembeschwerden.
Eines der auffälligsten Phänomene in diesen Studien besteht darin, dass Patienten oft starkes Verlangen, Sucht und Entzugserscheinungen bei diesen Nahrungsmitteln zeigen (Egger 1988:170, mit Zitat aus Randolf 1978; siehe auch Radcliff 1987:808-10, 814, Kroker 1987:856, 864, Sprague & Milam 1987:949, 953, Wraith 1987:489, 491). Brostoff und Gamlin (1989:103) schätzten, daß 50% der Patienten mit Intoleranz ein starkes Verlangen nach den Nahrungsmitteln haben, welche ihnen Probleme bereiten, sowie Entzugserscheinungen haben, wenn diese Nahrungsmittel aus ihrer Diät ausgeschlossen werden. Die Entzugserscheinungen sind vergleichbar mit denen, die man bei Drogenabhängigkeit kennt (Radcliffe 1987:808). Die Möglichkeit, daß Exorphine mit im Spiel sind, wurde erwähnt (Bell 1987:715), und Brostoff und Gamlin schlussfolgerten (1989:230):
’... die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass sie unsere Stimmung beeinflussen können. Es steht sicherlich außer Frage, dass niemand von einem Glas Milch oder einer Scheibe Brot ’high‘ wird – die darin enthaltenen Mengen sind dafür zu gering – aber diese Nahrungsmittel können ein Gefühl der Gemütlichkeit und des Wohlbehagens herbeiführen. Patienten mit Intoleranz sagen, dass dies oft der Fall ist. Es gibt auch andere hormonähnliche Peptide in teilweise verdauter Nahrung, welche andere Wirkungen auf den Körper haben könnten.‘
Es ist ausgeschlossen, dass das Verlangen nach diesen Nahrungsmitteln irgend etwas mit der populären Vorstellung zu tun hat, der Körper teile dem Gehirn mit, was er für seine Ernährung brauche. Diese Nahrungsmittel waren vor der Einführung der Landwirtschaft in der Nahrungspalette des Menschen ohne Bedeutung. Tatsächlich besteht der gängige Weg, eine Nahrungsmittelintoleranz zu behandeln, darin, die störenden Nahrungsmittel aus der Ernährung des Patienten zu eliminieren.

Ein Vorschlag zur Interpretation der Exorphin-Forschung

Doch was für eine Wirkung haben diese Nahrungsmittel auf den durchschnittlichen Menschen? Obwohl Exorphine keine durch natürliche Auslese entstandene physiologische Funktion beim Menschen haben können, heißt das nicht, dass sie keine Wirkung haben. Forschungen über Nahrungsmittelintoleranz lassen vermuten, dass Getreide und Milch bei normalen Verzehrsmengen imstande sind, das Verhalten vieler Menschen zu beeinflussen. Und wenn eine erhöhte Aufnahme von Peptiden schwerwiegende Wirkungen auf das Verhalten schizophrener und an Zöliakie erkrankter Personen verursachen kann, könnten subtilere Wirkungen, die nicht einmal als anormal angesehen werden, allgemein bei Menschen auftreten.
Die bis jetzt erbrachten Beweise legen folgende Interpretation nahe:
Wenn ein durchschnittlicher Mensch Getreide und Milch in für heutige Verhältnisse normalen Mengen verzehrt, werden Belohnungszentren im Gehirn aktiviert.
Nahrungsmittel, welche vor der Einführung der Landwirtschaft zur alltäglichen Ernährung gehörten (Früchte usw.), besitzen diese pharmakologische Eigenschaft nicht. Die Wirkungen von Exorphinen sind qualitativ die selben wie sie bei anderen opiatähnlichen und/oder dopamin... Drogen auftreten, also Belohnung, Motivation, Angstreduktion, ein Gefühl des Wohlbehagens und vielleicht sogar Sucht. Obwohl die Wirkung einer typischen Mahlzeit quantitativ geringer ist, als die einer Dosis der genannten Drogen, erleben die meisten heutigen Erwachsenen diese Wirkung mehrmals am Tag und das an jedem Tag ihres Lebens.

Hypothese: Exorphine und der Ursprung der Landwirtschaft und der Zivilisation

Wenn man dieses Szenario der menschlichen Ernährungspraktiken im Lichte der vorher beschriebenen Problems des Ursprungs der Landwirtschaft betrachtet, führt es zu einer Hypothese, welche die Ergebnisse dieser Untersuchungsreihen verbindet.
Möglicherweise wegen des Fehlens einer historischen Langzeitbetrachtung haben Exorphin-Forscher im Allgemeinen nicht die Möglichkeit untersucht, dass diese Nahrungsmittel wirklich drogenähnlich sind und stattdessen ohne Erfolg nach der natürlichen Funktion von Exorphinen gesucht. Die Übernahme des Getreideanbaus und der folgende Aufstieg der Zivilisation wurden nicht zufriedenstellend erklärt, weil die ihnen zugrundeliegenden Verhaltensänderungen keine offensichtliche Anpassungs-Grundlage haben.
      Diese ungelösten und bisher nicht miteinander verknüpften Probleme könnten sich in der Tat gegenseitig lösen. Die Antwort, die wir vorschlagen, ist folgende: Getreide- und Milchprodukte sind keine natürlichen menschlichen Nahrungsmittel, sondern werden eher bevorzugt, weil sie Exorphine enthalten. Diese chemische Belohnung war der Anreiz für die Einführung des Getreideanbaus im Neolithikum. Der regelmäßige Konsum dieser Substanzen erleichterte die Verhaltensänderungen, welche zum darauf folgenden Auftauchen der Zivilisation führten. (Beachte Loren Cordain "Getreide")

      Folgendes ist der Ablauf der Ereignisse, wie wir ihn uns vorstellen:
Klimatische Veränderungen am Ende der letzten Eiszeit führten zu einer Zunahme der Größe und Konzentration von Landflächen wilder Getreide in bestimmten Gebieten (Wright 1977). Die großen Mengen an Getreide, die nach der Jungsteinzeit erhältlich wurden, lieferten einen Anreiz, zu versuchen, sie zu verzehren. Menschen, die mit dem Verzehr größerer Mengen Getreide Erfolg hatten, entdeckten die belohnenden Eigenschaften der in ihnen enthaltenen Exorphine. Es wurden Verarbeitungsmethoden wie Mahlen und Kochen entwickelt, um Getreide besser genießbar zu machen. Je schmackhafter es gemacht werden konnte, desto mehr verzehrte man es und desto wichtiger wurde die Belohnung durch Exorphine für immer mehr Menschen.
   Zunächst wurden einzelne Gebiete mit wildem Getreide geschützt und geerntet. Später wurde Land gerodet und Samen gepflanzt und gepflegt, um die Menge und Zuverlässigkeit der Versorgung zu vergrößern. Die Exorphine veranlassten die Menschen, sich um die Getreide-Gebiete herum niederzulassen sowie ihre nomadische Lebensweise aufzugeben und erlaubte ihnen Toleranz anstatt Aggression zu zeigen, als die Bevölkerungsdichte unter diesen neuen Umständen zunahm.
     Obwohl es gemäß unserer Hypothese das Vorhandensein von Exorphinen war, das Getreide zum häufigsten frühen Kulturgut machte (und kein alternatives Nahrungsmittel, welches in der Nahrungspalette bereits vorhanden war), heißt das nicht, dass Getreide ’nur Drogen‘ sind. Sie waren Jahrtausende lang Grundnahrungsmittel und haben eindeutig einen Wert für die Ernährung. Getreide aber nur als Nahrungsmittel zu behandeln, führt zu Schwierigkeiten bei der Erklärung, warum man sich bemühte, sie zu kultivieren.
Die Tatsache, dass die Gesundheit überall abnahm, sobald sie in die Nahrungspalette mit einbezogen wurden, lässt vermuten, dass der schnelle, fast totale Austausch anderer Nahrungsmittel gegen Getreide eher eine Folge einer chemischen Belohnung war, als dass er ernährungsbezogene Gründe hatte.

Es ist erwähnenswert, dass das Ausmaß, in welchem frühe Stämme zivilisiert wurden, mit der Art des Ackerbaus, den sie praktizierten, korrelierte. Das heißt, größere Zivilisationen (in Südwest-Asien, Europa, Indien und Ostasien und Teilen von Südost-Asien, Zentralamerika und Teilen von Nord- und Südamerika, Ägypten, Äthiopien und Teilen des tropischen und Westafrikas) stammten von Gruppen ab, die Getreideanbau, speziell Weizenanbau, praktizierten (Bender 1975:12, Adams 1987:201, Thatcher 1987:212). (Die wenigen nomadischen Zivilisationen basierten auf Milchwirtschaft. Im Gegensatz zur Jagdbeute ist Getreide lange und leicht lagerfähig und die Menschen bekamen Zeit für Forschung und geistige Betätigung.)
     Gruppen, die andere Pflanzen kultivierten (Früchte, Knollen usw.) bzw. keinen Anbau praktizierten (im tropischen und südlichen Afrika, Nord- und Zentralasien, Australien, Neu Guinea und dem Pazifik, und großen Teilen von Nord- und Südamerika) wurden nicht in dem selben Ausmaß zivilisiert.
      Größere Zivilisationen haben also gemeinsam, dass ihre Bevölkerungen regelmäßig Exorphine verzehrten. Wir schlagen vor, dass große, hierarchische Staaten eine natürliche Konsequenz bei solchen Populationen waren. Zivilisation entstand, weil die zuverlässige, der Nachfrage entsprechende Verfügbarkeit von in der Nahrung enthaltenen opiatähnlichen Substanzen das Verhalten der Einzelnen änderte, Aggressionen herabsetzte und ihnen erlaubte, tolerant gegenüber dem sesshaften Leben in übervölkerten Gruppen zu werden, regelmäßiger Arbeit nachzugehen und leichter von Regenten unterjocht zu werden. Es entstanden zwei sozioökonomische Klassen, wo vorher nur eine existierte (Johnson & Earle 1987:270), und so entstand ein Muster, welches von da an dominierte.

    Diskussion: Natürliche Ernährung und genetischer Wandel.

Das verschiedene Vorkommen von Laktaseunverträglichkeit, Zöliakie und Favismus (die Unfähigkeit, Saubohnen zu verdauen) bei modernen Rassengruppen wird üblicherweise als das Ergebnis unterschiedlich guter genetischer Anpassung an die Ernährung nach der Einführung der Landwirtschaft erklärt (Simopoulos 1990:27-9), und dies könnte eine gewisse Anpassung an Exorphine einschließen. Wir meinen, dass so eine Anpassung aus zwei Gründen kaum oder gar nicht erfolgt ist. Erstens zeigen Allergieforschungen, dass diese Nahrungsmittel bei vielen Menschen immer noch anormale Reaktionen verursachen, und dass die Empfindlichkeit sowohl innerhalb als auch zwischen Populationen variiert. Dies weist darauf hin, dass unterschiedliche Anpassung nicht der einzige beteiligte Faktor sein kann. Zweitens besteht die Funktion der erwähnten Anpassungen darin, es dem Menschen zu ermöglichen, solche Nahrungsmittel zu verdauen. Wenn es sich um Anpassungen handelt, tauchten sie auf, weil sie einen Überlebensvorteil darstellten. Würde die Empfänglichkeit für die belohnende Wirkung von Exorphinen aber zu einer niedrigeren oder höheren Vermehrung führen? Im Allgemeinen würde man erwarten, dass ein Tier, dem Drogen zur Verfügung stehen, sich weniger angepasst verhalten, und somit seine Überlebensaussichten verringern würde. Unser Modell zeigt aber, wie die weit verbreitete Exorphinaufnahme beim Menschen zu einer größeren Bevölkerung führte. Und als die Zivilisation erst einmal die Norm war, hätte eine Nicht-Empfänglichkeit für Exorphine ein Nichteinfügen in die Gesellschaft bedeutet. Auch wenn es daher eine Anpassung an die Nährstoffe von Getreide geben könnte, wird es kaum oder keine Anpassung an Exorphine geben. Während jedenfalls heutige Menschen den Nutzen einer gewissen Anpassung an landwirtschaftliche Ernährungsweisen genießen können, konnten es diejenigen, welche die Veränderung vor 10 000 Jahren eigentlich bewirkten, nicht tun. 

Andere, ’nicht-ernährungsbedingte’ Ursprünge landwirtschaftlicher Modelle

Wir sind nicht die Ersten, die einen nicht-ernährungsbedingten Grund für die frühe Landwirtschaft annehmen. Hayden (1990) argumentierte, dass frühe Produkte der Kultivierung und Handelsgegenstände mehr Prestigewert als Nützlichkeit besaßen, und nahm an, dass der Ackerbau begann, weil die Mächtigen seine Produkte für wetteifernde Festgelage und den Zuwachs ihres Wohlstandes nutzten. Braidwood et al. (1953) und später Katz und Voigt (1986) nahmen an, dass der Anreiz für den Getreideanbau die Produktion von alkoholischem Bier war:
’Unter welchen Umständen wäre der Konsum einer wilden pflanzlichen Nahrungsquelle wichtig genug, um zu einer Verhaltensänderung zu führen (Experimente mit Kultivierung), die die adäquate Versorgung mit dieser Ressource zum Ziel hat? Falls wilde Getreide tatsächlich einen geringen Teil der Ernährung ausmachten, wäre jedes Argument, das auf einen Kalorienbedarf abhebt, geschwächt. Wir behaupten, dass das Verlangen nach Alkohol ein spürbares, psychologisches und soziales Bedürfnis darstellen würde, das mit Leichtigkeit Veränderungen des Lebensverhaltens auslösen könnte’ (Katz & Voigt 1986:33).´
Diese Sichtweise ist zweifellos mit der unseren vereinbar. Es könnte jedoch Schwierigkeiten mit einer Alkohol-Hypothese geben: Bier ist wahrscheinlich nach Brot und anderen Getreideprodukten aufgetaucht und sein Konsum war weniger verbreitet oder weniger häufig (Braidwood et al. 1953). Im Gegensatz zu Alkohol sind Exorphine in all diesen Produkten enthalten. Das macht die Annahme einer chemischen Belohnung als Motiv für die Landwirtschaft viel wahrscheinlicher. Auch Schlafmohn war ein frühes Kulturgut (Zohari 1986). Exorphine, Alkohol und Opium sind in erster Linie belohnend (im Gegensatz zu den typischen halluzinogenen Drogen, die von einigen Jägern und Sammlern benutzt wurden), und wir behaupten, dass es die künstliche Belohnung ist, welche für die Zivilisation nötig ist. Vielleicht waren alle drei förderlich für das Auftauchen der zivilisierten Verhaltensweise.
Getreide haben wichtige Qualitäten, die sie von den meisten anderen Drogen unterscheiden. Sie sind sowohl eine Nahrungsquelle als auch eine Droge und können leicht gelagert und transportiert werden. Sie werden in regelmäßigen, kleinen Mengen eingenommen (nicht in gelegentlichen großen Mengen), und beeinträchtigen bei den meisten Menschen nicht die Arbeitsleistung. Ein Verlangen nach der Droge, sogar Sehnsucht oder Entzugserscheinungen, können mit Hunger verwechselt werden. Diese Besonderheiten machen Getreide zu einem idealen Förderer der Zivilisation (und mögen auch zu der langen Verzögerung beim Entdecken ihrer pharmakologischen Eigenschaften beigetragen haben).

Kompatibilität, Einschränkungen, Notwendigkeit für weitere Daten

Unsere Hypothese ist keine Widerlegung existierender Belege für die Ursprünge der Landwirtschaft, sondern paßt eher neben sie. Sie erklärt, warum der Getreideanbau trotz seiner augenscheinlichen Nachteile übernommen wurde und wie er zur Zivilisation führte.
Die Verallgemeinerung und Fundiertheit unserer Behauptungen wird durch Lücken in unserem Wissen über Exorphine begrenzt. Wir wissen nicht, ob Reis, Hirse und Sorghum oder Grasarten, welche von afrikanischen und australischen Jägern und Sammlern geerntet wurden, Exorphine enthalten. Wir müßten sicher sein, daß in Lebensmitteln, die vor der Einführung der Landwirtschaft Grundnahrungsmittel waren, Exorphine nicht in ähnlichen Mengen enthalten sind, wie in Getreide. Wir wissen nicht, ob Kultivierung den Exorphingehalt oder die -wirksamkeit beeinflusst hat. Eine Prüfung unserer Hypothese, bei der Ernährungsweise und Grad der Zivilisation in verschiedenen Bevölkerungen in Beziehung gesetzt werden, setzt quantitative Kenntnisse über die Wirkung all dieser Nahrungsmittel auf das Verhalten voraus.
     Wir beziehen uns weder auf die Ursprünge der getreidelosen Landwirtschaft, noch auf die Frage, warum einige Gruppen eine Kombination aus Nahrungssuche und -anbau benutzten, vom Anbau zur Nahrungssuche zurückkehrten oder überhaupt keinen Anbau betrieben. Getreideanbau und Zivilisation verbreiteten sich im Grunde genommen in den letzten zehntausend Jahren weltweit. Die Frage lautet dann nicht, warum sie hier und nicht dort entstanden, sondern warum sie an manchen Orten länger brauchten, um sich zu etablieren, als an anderen. Zu allen Zeiten und an allen Orten sprachen chemische Belohnung und der Einfluss von Zivilisationen, die bereits Getreide nutzten, für die Übernahme dieses Lebensstils, während die Nachteile des Ackerbaus dagegen sprachen und Faktoren wie Klima, geographische Lage, Bodenqualität sowie die Verfügbarkeit von Kulturgütern das Ergebnis beeinflussten. Es gibt neuerdings einen Trend zu multikausalen Erklärungsmodellen bezüglich des Ursprungs der Landwirtschaft (z.B. Redding 1988, Henry 1989). Exorphine könnten einfach ein weiterer Faktor in der Liste sein. Eine Analyse der relativen Wichtigkeit aller beteiligten Faktoren zu allen Zeiten und Orten würde den Rahmen dieser Schrift sprengen.

    Zusammenfassung
    ....Seitdem jedoch die Landwirtschaft auftauchte, hat die menschliche Bevölkerung um den Faktor 1000 zugenommen.
Wir haben Beweise verschiedener Forschungsgebiete geprüft, die zeigen, dass Getreide- und Milchprodukte drogenähnliche Eigenschaften haben,
und dargelegt, wie diese Eigenschaften den Anreiz für die beginnende Einführung der Landwirtschaft gegeben haben könnten. Wir haben des weiteren überlegt, dass eine konstante Exorphinaufnahme die Verhaltensänderungen und das darauf folgende Bevölkerungswachstum der Zivilisation durch Vergrößerung der Toleranz der Menschen begünstigte und zwar bezogen auf (a) Sesshaftigkeit mit Übervölkerung, (b) Anstrengungen zugunsten nichtverwandter Personen und (c) das Einnehmen einer unterwürfigen Rolle innerhalb eines großen hierarchisch gegliederten Gesellschaftssystems.
    Getreide sind (leider) immer noch Grundnahrungsmittel, und die Methoden künstlicher Belohnung sind seitdem vielfältiger geworden, einschließlich der heutigen weiten Bandbreite pharmakologischer und nicht-pharmakologischer kultureller Artefakte, deren Funktion in ethologischer Hinsicht darin besteht, Belohnungen ohne Anpassungsvorteil zu liefern. Die Annahme scheint vernünftig zu sein, dass nicht nur die Zivilisation infolge von Selbst-Verabreichung künstlicher Belohnungen entstand, sondern auf diese Weise auch unter den heutigen Menschen aufrechterhalten wird. Folglich bestünde ein Schritt zur Lösung des Problems, das Verhalten zivilisierter Menschen zu erklären, darin, diese weit verbreitete Verhaltensstörung infolge künstlicher Belohnungen in die ethologischen Modelle einzubeziehen.
  

Quellen  (Neuere Literatur siehe ganz unten !)
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Anhang: 

Autismus durch Brot und Milch:  Durch falsche Ernährung Fehler in der Gehirnentwicklung

F: Was geschieht, wenn sie diese Proteine (Weizengluten, Milch-Kasein) bekommen?
A: Forscher in England, Norwegen und an der Universität von Florida haben Peptide (Abbauprodukte von Proteinen) mit
Opiatwirkung im Urin eines großen Prozentsatzes autistischer Kinder gefunden. Opiate sind Drogen, die die Hirntätigkeit beeinflussen.

F: Welche Proteine verursachen dieses Problem von "Drogenabhängigkeit"?
A: Die wichtigsten sind Gluten (Protein in Weizen, Hafer, Roggen und Gerste) und Casein (Milchprotein).

F: Aber Milch und Weizen sind die einzigen Lebensmittel, die mein Kind isst. Seine Ernährung besteht ausschließlich aus Milch, Käse, Getreide, Nudeln und Brot. Ich habe Angst, es verhungert, wenn ich das wegnehme.

A: Es gibt wahrscheinlich einen guten Grund, warum Ihr Kind sich auf diese Lebensmittel beschränkt. Opiate machen in hohem Maße abhängig. Wenn die „Opiat-Überschuss-Theorie“ auf Ihr Kind zutrifft, dann ist es tatsächlich von den Nahrungsmitteln abhängig, die diese schädlichen Proteine enthalten (Brot + Milch). Obwohl es scheint, dass Ihr Kind verhungern wird, wenn Sie diese Lebensmittel entfernen, berichten viele Eltern, dass ihre Kinder nach anfänglichen Entzugserscheinungen mehr Bereitschaft zeigen, auch andere Lebensmittel zu essen. Nach einigen Wochen überraschen viele Kinder ihre Eltern damit, ihre Diät selbst zu erweitern (Beachte: Ursula Jonsson "Basisallergie") 
      www.waisays.com englisch; Inhalt: "Meide Milch, Weizen"
Weizen- und Milchprodukte enthalten Peptide mit Opium-Wirkung
, welche die Endorphinrezeptoren im Gehirn beeinflussen. Diese Peptide machen körperlich süchtig und erzeugen Abhängigkeit, Asthma, Übergewicht, Apathie, Desinteresse und Teilnahmslosigkeit. Dasselbe gilt für Beta-Carboline aus gekochtem Essen. Wenn sie konzentriert und intelligent sein wollen, sollten sie weder Weizen- noch Milchprodukte verzehren. Sie brauchen diese „Nahrungsmittel“ überhaupt nicht.

Um alle benötigten Nährstoffe zu erhalten und konzentriert und intelligent zu bleiben: essen sie viele Früchte (es gibt über 6000 Früchte) und regelmäßig einige frische, rohe tierische Produkte (wie Sashimi oder Eigelb). Und was Munch-Food („Mampf-Essen“, die kleine Sünde: nicht gesund, aber schmeckt) betrifft: essen sie nur das, worauf sie wirklich Lust haben (und nicht das, was angeblich gesund ist), mit wenig Eiweiß, aber viel Fett und/oder Zucker, um ihre Sehnsucht nach Munch-Food zu befriedigen. 
    Osteoporose durch zu viel Kalzium-Aufnahme:

Kalzium verursacht Osteoporose   Ein Ansatz, dass die zu große lebenslange Zufuhr von Kalzium durch Erschöpfung der altersabhängigen Reproduktionskapazität der Osteoblasten den Grundstein für Osteoporose legt, was die gegenwärtige Osteoporosevorsorge als falschen Weg entlarvt. >>>osteoporose.pdf 
 

        Wichtige Literatur:
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"The Autoimmune Solution: Prevent and Reverse the Full Spectrum of Inflammatory Symptoms and Diseases"
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Wührer, Klaus "Prophylaxe und Therapie durch Artgerechte Ernährung: ... oder wollen Sie lieber mit voller Stärke ins Gras beißen?" 405 + 64 Seiten; gebunden, Caveman Verlag: 2015; ISBN: 978-3981620009 (ohne Stärke aus dem Ackerbau, das ist der Weg.)

Perlmutter, David "Wie Weizen schleichend Ihr Gehirn zerstört" 349 Seiten; Mosaik: 2014; ISBN: 978-3-442-392575
"Grain Brain: The Surprising Truth about Wheat" drPerlmutter.com 

Davis, William "Weizenwampe: Warum Weizen dick und krank macht" 400 Seiten; Goldmann Verlag: 2013; ISBN: 978-3442173587 (Meide alle Getreide, Weizen)
Davis, William "Wheat Belly: Lose the Wheat, Lose the Weight, and Find Your Path Back to Health"
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Densmore empfiehlt stärkemehlfreie Frischkost. 
die deutsche Vollversion 57 MB

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Ballaststoffe sind gar nicht gesund!  www.westonaprice.org/bookreviews/fiber-menace     www.fibermenace.com 

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Die Wahrheit über gesättigte Fette (wertvolle Homepage: www.westonaprice.org )
 

    Siehe alle meine pdf-Artikel:  http://josef-stocker.de/stocker1.htm  

    Starch/Stärke:  http://josef-stocker.de/stein3.htm   Getreide:  http://josef-stocker.de/blut2.htm 

 

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